Das Protokoll kann am Ende der Seite oder im Download-Bereich als pdf-Datei heruntergeladen werden.

 

Öffentliches Protokoll des 2. Treffen der Programmredaktion Positive Begegnungen 2009

 

Wer: Dirk, Silke, Martin, Michèle, Andreas K., Sigrun, Jochen, Heike, Bernd

Wann: Freitag, der 29. Februar – Sonntag, der 02. März 2008

Wo: Deutsche AIDS-Hilfe, Berlin

Was:

  1. Ankommen
  2. Stand der Dinge
  3. Programmplanung
  4. Verschiedenes
  5. Abschlussrunde

 

TOP 1: Ankommen/Thematischer Einstieg

 

Silke eröffnet die Runde mit der Frage, wer sich wie in den zurückliegenden Wochen mit dem Thema (Selbst)Stigma, Stigmatisierung, Diskriminierung, Einschränkungen – also dem Oberthema der Konferenz – beschäftigt hat und was das für Ergebnisse gezeitigt hat.

Zu Beginn ergibt sich eine intensive Diskussion über das EKAF-Papier bzw. über die Reaktionen in AIDS-Hilfe, Selbsthilfe und der Öffentlichkeit.

Dabei wird einmal mehr deutlich, wie brüchig die „Verschneidung“ von Primärprävention und Sekundär- und Tertiärprävention in den jeweiligen institutionellen Kontexten sind. Was nur zu einem Teil an den mit öffentlichen Geldern verknüpften Zuwendungsbedingungen liegt. Da die Positivenselbsthilfe hier in mehrfacher Hinsicht uneinheitlich reagiert, müssen wir davon ausgehen, diese Positionen auch auf der Konferenz wiederzufinden. So reagiert beispielsweise ein Teil der Selbsthilfe sehr deutlich auf das Primat der Primärprävention. Andere Teile regieren beispielsweise mit Aus- oder Abgrenzungen zu HIV-Positiven, die sich nicht zu 100 % immer jederzeit überall und in allen Lebenslagen als HIV-Positive in der (alleinigen) Verantwortung für mögliche Übertragungen sehen. Besonders deutlich wird dieser „Diskurs“ am Thema Bareback. Hier findet zum Teil eine erhebliche Stigmatisierung unter Positiven selbst statt. Andere Teile der Selbsthilfe wiederum stigmatisieren sich eher selbst und touren als Negativbeispiele durch Klassenzimmer – aus der Serie: Wollt ihr wirklich so enden wie ich? – und stemmen sich vehement gegen die vermeintliche Aufweichung der Präventionsbotschaften.

Es entspannt sich eine kurze Diskussion, ob im Zusammenhang mit HIV/AIDS das Konzept des Stigmamanagements nicht zu reaktionär ist – in der Hinsicht, als es das Stigma sozusagen als unveränderlich hinnimmt. Allerdings scheint doch klar zu sein, dass sich das Stigma HIV/AIDS wenn überhaupt nur sehr schwer und sehr langfristig auflösen lassen wird, also niemand der am Tisch versammelten das zu seinen Lebzeiten noch erleben wird. Insofern bleibt auf einer pragmatischen Ebene dem Einzelnen kaum eine andere Wahl, als Stigmamanagement zu betreiben. Was ja nicht automatisch dazu führt, dass sich nicht politisch gegen die Stigmatisierung gewehrt wird und werden muss mit dem Ziel, das Stigma aufzuheben. Das gilt selbstverständlich auch in die diversen Szenen hinein.

Im Rahmen der Diskussionen werden zwei Vorschläge gemacht, die weiter im Blick behalten werden sollen.

  • Im Zuge der Diskussion, wie man das Oberthema weniger sperrig bekommen kann, wurde vorgeschlagen, in den Papieren zur Konferenz (etwa dem Programmheft) kurze Texte zum Thema zu schreiben (etwa Definitionen, kurze Artikel dazu, Wikipedia etc.) und kreuz und quer in den Papieren zu verteilen.
  • Im Zuge der Diskussion über die Probleme, die mit der Selbstreflexionspotenz des Themas einher gehen könnte, wird deutlich, dass die Vorbereitungsgruppe natürlich kein Interesse daran hat, dass die Teilnehmer am Ende der PoBe „in Einzelteilen“ nach Hause fahren. Manche Baustellen wird man im Laufe der Konferenz gut schließen können oder werden sich selbst schließen. Es wäre zu überlegen, ob man für diejenigen TN, die Unterstützung dabei benötigen, an jedem Abend so etwas wie situative Selbsterfahrung anbieten könnte.

 

TOP 2: Stand der Dinge

 

Stuttgart

Die DAH hat sich entschieden, dem OB die lokale Schirmherrschaft anzutragen und ihn um ein Grußwort im Programmheft zu bitten. Inzwischen liegt uns eine Zusage des OB vor – er bedankt sich sehr für die Anfrage, nimmt gerne an und schreibt uns ein Grisswort für das Programmheft.

Es stehen genügend Hotelzimmer zur Verfügung. Die Teilnehmer werden voraussichtlich auf zwei Hotels aufgeteilt werden (müssen). Einmal das Arcotel Camino (http://www.arcotel.at/document.asp?id=2369) und das Mercure (http://www.accorhotels.com/accorhotels/fichehotel/de/mer/5424/fiche_hotel.shtml).

30 Einzelzimmer werden zusätzlich gebucht werden müssen. Hier soll der Staff inklusive der Vorbereitungsgruppe untergebracht werden.

Derzeit stehen nur fünf behindertengerechte Zimmer zur Verfügung. Bei der Anmeldung muss dezidiert darauf hingewiesen werden. Für den Fall, dass – wider Erwarten – wir mehr als diese fünf Zimmer benötigen, müssen entsprechend verfügbare Zimmer in anderen Hotels dazu gebucht werden. Da wir in den letzten Jahren aber keine fünf Zimmer benötigt haben, sehen wir kein Problem.

Die beiden TN-Hotels sind drei bzw. vier Stationen vom Rathaus entfernt. Es muss nicht umgestiegen werden.

Gerd hat – wie versprochen Fotos vom Rathaus und den Räumen gemacht. Er hat sie unter der Adresse http://rathaus.galerie.ag/ ins Netz gestellt. Wie bei der letzten Diskussion über das Rathaus als Veranstaltungsort auch, lässt es uns etwa ratlos zurück. Wir können uns noch nicht vorstellen, wie sich die Veranstaltung und die Säle mit nicht veränderbarer Bestuhlung vertragen. Das wird sich beizeiten klären. Dazu müssen aber auch die zusätzlichen Räume, die außerhalb des Rathauses liegen, klar sein.

 

TOP 3: Programmplanung

 

Die Gruppe entscheidet sich nach Sichtung und Überprüfung der bisherigen Programmstruktur, den Versuch zu machen, zuerst die XXL-Workshops (also die vier ganztägigen Workshops) zu planen. Das haben wir natürlich nicht stringent durchhalten können. Damit der Prozess und die Gedankengänge her einigermaßen nachvollziehbar bleiben, folgt das Protokoll dem Diskussionsverlauf.

Um die Verwirrung in Grenzen zu halten, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die folgende Nummerierung nichts mit der Positionierung im Programm zu tun hat. Sie dient dazu, den Überblick über die planbaren Slots zu behalten ( 4 XXL und 11 M).

Die Zuordnung zu einem bestimmten Programmplatz erfolgte teilweise im Laufe der Diskussion, teilweise zum Schluss und folgte den Kriterien, was sinnvollerweise auf was aufbaut und womit man sich selbst möglichst wenig Konkurrenz machen möchte sowie natürlich, was gruppendynamisch günstiger ist. Startet den Datei-Download(Der aktuelle Programmplan kann hier als pdf heruntergeladen werden.)

Skills-Building

Da die Skills-Building-WS bereits beim letzten Mal geplant worden sind, war hier keine weitere Diskussion inhaltlich nötig.

Gebärdensprachkurs

Wir lassen die Möglichkeit, den Gebärdensprachkurs über zwei ganze Tage laufen zu lassen. Ob das Sinn macht, muss in jedem Fall mit Christian Geilfuß abgesprochen werden. Ihm soll der zeitliche Rahmen mitgeteilt werden und er muss dann entscheiden, wie er ihn füllt. Möglich wären genauso zwei aufeinanderfolgende Kurse (einer Freitag, der andere Samstag), zwei parallele Kurse (der eine an den Vormittagen, der andere an den Nachmittagen) oder vier einzelne. Bernd und Martin übernehmen die Kommunikation mit Christian.

Kampagnenplanung

Auch hier lassen wir die Möglichkeit, den WS über zwei ganze Tage laufen zu lassen. Anders als in Leipzig, werden wir dem WS allerdings eine Zielvorgabe geben: Sie müssen zum Thema (Selbst)Stigmatisierung arbeiten und eine Aktion im Rahmen der Konferenz durchführen. Was nicht automatisch heißt, dass diese Aktion im Rathaus selbst durchgeführt werden muss und sich an die Teilnehmer/innen der PoBe richtet.

Wir beschließen, denselben Menschen anzufragen, der schon in Leipzig den WS gemacht hat. Das scheint uns insofern sinnvoll zu sein, als er zumindest eine gewisse Vorerfahrung mitbringt.

Vorsicht: Die nun folgenden Workshop-Titel sind reine Arbeitstitel! Sie sind aus der Diskussion heraus entstanden und sind nicht darauf getrimmt, als Titel im Programmheft zu erscheinen. Endgültige Titel müssen – wie die einführenden Texte zu den Workshops – in einem weiteren Schritt erarbeitet werden. Daher bitte sich nicht an einzelnen – zugegebenermaßen missverständlichen, provokanten oder holprigen – Formulierungen stoßen!

XXL 1 und M 1

Aus der bisherigen Diskussion ergibt sich als erstes das Thema „Identity-Politics“. Die Kernfrage(n) dieses Workshops haben wir in Leipzig mit dem „Behinderten-WS“ schon versucht anzugehen, sind aber – wohl auch aufgrund des Aufhängers – gescheitert.
Die Kernfrage(n):

  • Welche Folgen hat eine HIV-Infektion für die Selbstwahrnehmung von Menschen?
  • Was ist HIV in diesem Zusammenhang?
  • Was bedeutet es für ein Leben?
  • Welches Verständnis von Gesundheit und Krankheit haben wir?
  • Was ist ein HIV-positiver Mensch ohne HIV?
  • Wie hat man sich als HIV-Positiver zu verhalten? Was wird von einem erwartet?
  • Welche Anforderungen stellen wir an Rollenmodelle?
  • Welche Rollenerwartung haben wir? Vor allem an Menschen, die sich im HIV-Kontext engagieren?
  • Welche Erwartungen werden an HIV-positive Mitarbeiter/innen in AIDS-Hilfen, AIDS-Beratungsstellen etc. gestellt?

Aus dieser Diskussion entstehen die ersten beiden WS mit dem Titel:

Theoriebildung zur Krankheit und Gesundheit (XXL 1)

und:

Identity politics (M 1):

– Wie viel gebe ich preis? privat <=> öffentlich
– Sich selbst als Person einsetzen „für die Sache“ – Chancen und Risiken
– Welchen Stellenwert /welche Funktion hat HIV in meiner Identität?
– Was bin ich eigentlich ohne HIV?
– Erwartungen an die Rollenmodelle

Als Ziel für diesen WS haben wir diskutiert:
– Ankommen im Leben mit/trotz HIV
– die eigene Zukunft planen/bauen, das eigene Leben, die eigene Zukunft gestalten
– trotz Abschied nehmen müssen (etwa weil die Anpassungsprozesse, die von Krankheit und Alter erzwungen werden, unter Umständen mögliche Zukünfte „verbauen“)
Einzelne Aspekte dieser recht großen Fragestellung sollen in weiteren M-WS erneut aufgegriffen werden.

M 2

Als ein Teilaspekt der bisherigen Diskussion ergab sich das Thema Patientenrolle, was sich in der Diskussion schnell um den Aspekt Arztrolle erweiterte, da sich das Eine nicht unbeeinflusst vom Anderen denken lässt. Der WS wird sich also mit

„Patientenrolle & Arztrolle - Entwicklungen, Veränderungen“

beschäftigen. Hier waren vor allem die Veränderungen der letzten Jahre im Fokus der Diskussion und die Möglichkeiten bzw. Grenzen, Einfluss auszuüben.

XXL 2

Aus der Diskussion über Arzt- und Patientenrolle ergab sich die Frage nach der (zukünftigen) Qualität der medizinischen Versorgung. Und zwar unabhängig von der Beziehung zwischen Arzt und Patient, die ja als solche ein wesentlicher Einflussfaktor für die Qualität ist und aber auch eine Qualität an sich ist, bezog die Diskussion die neueren Entwicklungen der Gesundheitspolitik mit ein (neuer EBM, Ablösung der Sonderabrechnungsziffern, etc.).

Der Workshop:

Qualität in der (medizinischen) Versorgung:  Bestandsaufnahme und Forderungen nach innen und außen;

alle Perspektiven (Angehörige, Positive, Heteros, Homos, Junkies); Behandlung Substituierten, fachärztliche Versorgung; alle Aspekte der Versorgung (Pflege, Assistenzen, Hilfesysteme)

Wichtig bei der weiteren Planung ist zu berücksichtigen, dass er die unterschiedlichen Versorgungssysteme in den Alpenrepubliken und Deutschland berücksichtigen muss/soll, ebenso, wie die Bedürfnisse/Bedarfe der unterschiedlichen Gruppen von HIV-Infizierten bzw. deren Unterstützungssysteme, ohne sich dabei auf die Frage Mann/Frau zu reduzieren.
Ziel ist – neben der Reflexion – das Stellen von (politischen) Forderungen nach innen (also in die HIV-Community), als auch nach außen (Standesorganisationen, Politik).

Die Zeit der bisherigen Diskussion im Blick haltend, wird ein kurzer Exkurs auf die Metaebene gemacht und festgestellt, dass Sexualität und Rausch bislang in der Auseinandersetzung keine Rolle gespielt haben.

M 3

Daraus ergibt sich eine vorsichtige, aber dennoch intensive Debatte über Drogenkonsum und Rausch. Vorsichtig war diese Debatte insofern, als wir in der gelebten Realität des Drogenkonsums das lebensstilakzeptierende Moment unserer Arbeit und Überzeugung nicht so ohne weiteres von den Folgen des dann doch zumeist recht unkontrollierten Konsumverhaltens und dessen Folgen bzw. von Abhängigkeit und deren (sozialen) Folgen trennen konnten.
Als ein möglicher Ausweg wurde eine kulturwissenschaftliche Betrachtung des menschlichen und offensichtlich suprakulturellen Bedürfnisses nach Entgrenzung gesehen und diskutiert.

Nach längerer Diskussion entsteht folgender WS-Vorschlag:

Rausch und Kultur

– auf der Suche nach Entgrenzung
– Sehn-Sucht
– Reflexion eigener Bedürfnisse / des eigenen Konsums (von was auch immer)

Da der ehemalige Drogenbeauftrage von München, der 2004 hierzu einen ganz wunderbaren Vortrag gehalten hat, zwischenzeitlich verstorben ist, soll nach adäquatem Ersatz gesucht werden. (Die DVD mit diesem Vortrag ist in der Geschäftsstelle der DAH bei Silke Klumb und Silke Eggers oder bei Bernd ausleihbar.)

Die Vorbereitungsgruppe vermutet, dass hier das Bedürfnis nach einer Vertiefung entstehen könnte, was innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit nicht befriedigt werden kann. Wir einigen uns darauf, dass – sollte das geschehen – im Rahmen der Open-Spaces die Möglichkeit zu einer Fortsetzung/Vertiefung des Workshops besteht.

M 4

Die Diskussion über das Thema Sexualität wurde sehr – zu sehr – von der Stellungnahme der EKAF bzw. der öffentlichen Rezeption bestimmt.

Die Diskussion reflektiert 25 Jahre Safer-Sex und die Folgen bzw. die sich aus der EKAF-Stellungnahme ergebenden möglichen Veränderungen (Ent-Ängstigung, Ent-Stigmaitisierung). Zentrale Sorge bereitet aber die sich seit dem September 2001 zunehmend verändernde Ausrichtung der Gesellschaft, die wieder zunehmende Sexualfeindlichkeit, die deutlich zugenommene Normativität und die Präventionsideologie, die nicht nur bei der inneren Sicherheit zu krassen Stilblüten der Politik führt, sondern auch im Bereich der Gesundheitspolitik.

Da dies aber derzeit ein absolut heißes Thema ist – und wir glauben, dass es das auch noch länger sein wird – beschließen wir, daraus einen WS zu machen:

Macht sART sexy? Ent-Ängstigung, Ent-Stigmatisierung, Sexualfeindlichkeit

XXL 3

Dirk berichtet von einer Begegnung mit der AGAV (Arbeitsgemeinschaft ambulanter Pflege und Versorgung HIV-Infizierter) und der BAG Pflege (das Pendant für den stationären Bereich). Sie hätten ihn auf die zunehmenden Probleme von mehrfach beeinträchtigten Menschen mit HIV berichtet, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Interessen selbst zu vertreten. Das ist nun nicht neu, aber in den letzten Jahren des Therapieoptimismus doch deutlich vom Wahrnehmungsschirm verschwunden. Dirk schlägt vor, sich mit dieser unsichtbaren Gruppe zu beschäftigen. Das löst eine gewisse Kontroverse aus, da es weitere unsichtbare Gruppen gibt, mit denen wir uns nicht beschäftigen (können). Strafgefangene beispielsweise.
Die Diskussion folgt verschiedenen Strängen / Ebenen: einerseits wird die Verantwortung in der AIDS-Hilfe und der Selbsthilfe thematisiert, sich auch um Schwächere zu kümmern – vor allem, wenn sie zu schwach sind, um ihre Interessen selbst zu vertreten. Andererseits ging es aber auch um Aspekte der Vorsorge.

Daraus entsteht folgender WS:

Selbstvertretung - Wer spricht für wen? Von wem möchte ich vertreten werden, wenn ich nicht mehr für mich reden kann?

XXL 4

Dieser WS stammt aus der Vorrunde und bleibt drin, weil er sich sehr gut einfügt. Wir hatten diesen WS – bzw. das Thema – aus der Reflexion des entsprechenden WS in Leipzig weiterentwickelt. Daher trägt er derzeit noch den Arbeitstitel „Behinderung“.

"Behinderung"

politische Ebene, mit möglichen Kooperationspartnern; an gemeinsamen Themen wie etwa Versicherungen; reale Einschränkungen: juristische, Arbeit, (soziale) Absicherungsmöglichkeiten

Hier geht es um „reale“ Einschränkungen im Alltag und die Beschränkungen / Diskriminierungen, denen Menschen mit HIV/AIDS unterliegen und um die Forderung, diese den medizinischen Erfolgen und den unterschiedlichsten Alltagsrealitäten anzupassen. Unter anderem also darum, weder alle über die leiste: Ihr seid ja jetzt gesund, also arbeitet! zu schlagen, noch über das „ halo of victimhood“ der armen leistungsschwachen und hilfebedürftigen HIVchens.

Ziel des WS soll die Erarbeitung eines Aktionsplans sein (der Positivencommunity, der Selbstorganisation).
In einer weiteren Runde auf der Metaebene wird das bisher diskutierte / erarbeitete mit den vorliegenden bzw. bereits erarbeiteten Vorschlägen abgeglichen und festgestellt, dass die Aspekte Einschränkungen / Beeinträchtigungen, Arbeit, Generationswechsel und Sterben, Tod und Trauer bislang auch in der Diskussion wenig Berücksichtigung gefunden haben.

M 5

Wie die bisherigen Vorbereitungsgruppen auch, diskutiert die Gruppe, wie man sich etwa dem Thema Depressionen zuwenden kann, ohne es in der bisherigen Struktur (Vortrag, Frage & Antwort) abzuarbeiten.

Unter dem Aspekt des Anerkennens der eigenen HIV-Infektion und deren Bedingungen / Folgen, diskutiert die Gruppe, ob es nicht sinnvoll wäre, die drei großen Problembereiche, die mit einer Langzeit-HIV-Infektion vergesellschaftet zu sein scheinen, in einen WS zusammenzufassen: HIV-bedingte Demenz, Herz/Kreislauferkrankungen und Krebs.

In einführenden kurzen Referaten soll die (epidemiologische) Datenlage vorgestellt werden: Wie häufig tritt das auf? Gibt es irgendwelche Risikofaktoren? Kann ich als Individuum etwas tun, wenn ja was.

In einem nachfolgenden Block soll mit unterschiedlichen Angeboten dem nachgespürt werden (können), was diese Perspektiven individuell auslösen. Was zu folgendem WS führt:

Neuro-AIDS, KHK, Schlaganfall, Krebs

- 1. Block: Info ~ 60 - 90 Minuten
- Gefühl für Häufigkeit usw. => epidemiologische Situation, Risikofaktoren, Möglichkeiten der Risikoreduktion & Früherkennung
- 2. Block: angeleitete Selbsterfahrung
- kunst- u. maltherapeutisches Angebot
- für Multiplikator(inn)en in der Selbsthilfe

M 6

Die Intervention der AGAV und BAG Pflege wirken weiter. Konsequent der Assoziationskette und dem Diskussionsverlauf folgend, entsteht eine Diskussion über Modelle für ein Leben im Alter bzw. mit zunehmenden Beeinträchtigungen.

Hierbei wird konstatiert, dass es allerdings nicht damit getan ist, sich mit 25 hinzusetzen und sich zu überlegen, wie man mit 75 zu wohnen gedenkt. An für ein würdiges Leben im Alter wesentliche Aspekte wie etwa soziale Beziehungen etc. müssen wir kontinuierlich arbeiten.

Das Konzept des sozialen Todes wird diskutiert und in den WS eingeplant.

Wieso in der Klammer des nachfolgenden Titels „50+“ gelandet ist, vermag der Protokollant (bald in Sichtweite von 50) jedoch nicht zu sagen und ist sich auch nicht so sicher, wie er das werten soll.

Positiv alt werden (50+)

- Wie soziales Leben im Hier und Jetzt gestalten?
- Einsamkeit - Isolation - sozialer Tod
- Alternative Lebensformen im Alter
- Zielgruppenübergreifend
- Nicht erst auf den letzten Metern des Lebens
- „Positive“ Wohnformen

M 7

Im Kontext der Diskussion über Wohnformen im Alter wird intensiv über den sozialen Tod diskutiert. Die Gruppe ist sich einig, dass der Themenbereich Tod und Sterben in der konsequenten Umsetzung unserer Überzeugung, dass Sterben und Tod wesentliche Bestandteile des Lebens sind, in allen Workshops thematisiert werden müssen, wo es einen Sinn macht.
Sie ist aber der Überzeugung, dass es notwendig ist, sich intensiver mit Aspekten wie Einsamkeit und Isolation, die ja Vorstufen des sozialen Todes sind, zu beschäftigen – zumal hier jede/r Einzelne einen Gestaltungsspielraum hat. Es entsteht der WS:

(Selbst)Stigmatisierung: Einsamkeit, Isolation und sozialer Tod

M 8

Von der Ent-Stigmatisierung nicht zu trennen ist der Aspekt des „sich zeigens“, des „Gesichtszeigens“ – was ein Coming-out voraussetzt.

Aus der sich an diesem Themenbereich entlang hangelnden Diskussion entsteht der WS:

„positives Coming out“ im Freundeskreis, Familie und Arbeitsumfeld

M 9

Im Zuge der Diskussion über Coming-Out und Selbststigmatisierung wird das Konzept des Stigmamanagements diskutiert und die Beziehung zu Coping-Stratgien hergestellt. Wir entschließen uns, daraus einen WS zu machen:

Coping-Strategien / Stigmamanagement

M 10

Aus der Sicht mehrerer Gruppenmitglieder (vor allem derjenigen, die schon länger in der Vorbereitung der BPVen bzw. PoBes engagiert sind), ist mit der Umsetzung des Konzeptes zu Stuttgart die Veranstaltung konzeptionell „ausgereizt“. Unter Berücksichtigung dieser Einschätzung, der zunehmend harscheren Kritik aus den Reihen von Fürsprechern, die lautstark darauf hinweisen, dass die Veranstaltungen immer hochschwelliger werden und einen immer geringeren Nutzen für benachteiligte Menschen mit HIV/AIDS haben und den zunehmend größer werdenden Problemen mit der Finanzierung, beschließt die Gruppe – unter anderem auch als eins der „Neuen Gefäße für Kritik“ – einen WS einzubauen, der sich mit der perspektivischen Weiterentwicklung der Veranstaltung beschäftigen soll.

Zukunft Positive Begegnungen

M 11

Last but not least: das Thema Arbeit.

Die Gruppe dreht und wendet das Thema und beschließt, sich von dem Drama des Arbeitsmarktes nicht beeindrucken zu lassen und diese begrenzte Perspektive nicht einzunehmen. Weshalb sie auch das Thema „Arbeitssuchend“ nicht berücksichtigen will. Sie entscheidet sich, den WS wie folgt zu konzipieren:

HIV und Karriere

Als mögliche AnsprechpartnerInnen kann die im Waldschlösschen entstandene Selbsthilfegruppe dienen. Es gibt mittlerweile einige Personen, die als Rollenmodelle fungieren können.

Open Spaces

Wir haben uns während des gesamten Prozesses der Programmplanung ständig selbst auf die Finger klopfen müssen, um die Open Spaces nicht selbst zu verplanen. Das würde natürlich das Konzept völlig konterkarieren.
Die Open Spaces sollen der zentrale Teil der rollenden Programmplanung bleiben.

Es soll damit sichergestellt werden, dass – im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen – Themen, die im Rahmen der inhaltlichen Arbeit auf der Konferenz als wichtig, dringlich und weiter zu bearbeitend auftauchen, auch dort bearbeitet werden können.

Nehmen wir uns mit dieser Festlegung ernst, können wir keine vorbereiteten Vorschläge, die wir mit der Anmeldung abfragen, annehmen. Damit bauen wir nur Themen ein, die den meldenden Personen fehlen, aber das hat mit rollender Planung nichts zu tun.

Für die Open Spaces am Samstag ist es kein Problem, denn für diese können im Laufe des Freitags Themen gesammelt werden und auf dem Abendplenum kann darüber entschieden werden.

Das hätte aber zur Folge, dass wir eine Struktur für das Plenum entwickeln müssen, die einen Auswahlprozess beinhaltet. Das muss noch gemacht werden!

Freitagvormittag haben wir – konsequenterweise – keine Open Spaces eingeplant. Die Konferenz muss ja erst mit der Arbeit beginnen, bevor Themen auftauchen können.

Freitagnachmittag sind jedoch drei Open Spaces zu vergeben. Hier muss noch überlegt werden, wie hier der Prozess aussehen kann, sie mit Inhalt zu füllen.

Mit dem eigentlichen Konzept der rollenden Planung brechend, wird vorgeschlagen, diese Slots doch mit vorbereiteten Vorschlägen zu füllen.

Aus Sicht des Protokollanten gibt es jedoch keine Pflicht, sie auch wirklich zu füllen. Das scheint – so platt wie es sich anhört – aber wichtig zu sein, zu Papier zu bringen, um sich selbst nicht unsinnig unter Druck zu setzen.

Trauerritual

Es wird vorgeschlagen, sich dieses Mal in der chinesischen Tradition zu bedienen, nachdem die letzten Male japanische und jüdische Elemente adaptiert worden sind.

In der chinesischen Tradition werden an Verstorbene Briefe geschrieben, die dann verbrannt werden. Der Rauch trägt die Botschaft zu den Toten.

Das ließe sich vor dem Rathaus mittels Feuerschalen oder eines Lagerfeuers umsetzen.

Der Vorschlag findet einhellige Zustimmung.

Es wird kurz darüber diskutiert, welche feuerpolizeilichen Vorgaben eingehalten werden müssen. Martin wird sich darum kümmern.


TOP 4: Verschiedenes

 

Was wollen die Mitglieder der Vorbereitungsgruppe im Rahmen der PoBe für Funktionen übernehmen?

Aus der hohen Intensität der Diskussion über die Programmplanung leitet sich – erheblich deutlicher als in der Vergangenheit – ab, dass das ein oder andere Vorbereitungsgruppenmitglied durchaus sehr starke Lust hat, Moderationen etc. selbst zu übernehmen.

Dabei muss allerdings bedacht werden, dass die Abendplena und die Pressekonferenzen sowie die Moderatorentreffen in den Händen der Vorbereitungsgruppe liegen werden. Dazu kommt noch die Auswertung und Dokumentation der Veranstaltung, über die bislang noch nicht gesprochen worden ist. Es wird vereinbart, dass einzelne durchaus Workshops übernehmen können, aber nicht alle für Moderationen eingeplant werden können.

Ferner darf nicht vergessen werden, dass Diskussionsbeiträge von Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe anders wahrgenommen werden, als Diskussionsbeiträge von Konferenzteilnehmer/innen.

Dirk schlägt deshalb vor, dass sich die Vorbereitungsgruppe für die Prozessbeobachtung zur Verfügung hält.

April-Termin

Den Ausweichtermin im April (25. – 27. April) werden wir benötigen.

Im April sollen einerseits die Workshop-Texte erstellt und Referenten/Moderatoren/Trainer identifiziert für die Themen werden.
Andererseits wird es als sinnvoll erachtet, einzelne Trainer / Moderatoren bereits im April einzuladen, um die Prozessqualität gewährleisten zu können. Ein Vorschlag ist, die in Berlin ansässigen Trainer/innen am Sonntag zum Redaktionstreffen einzuladen. Das Prozedere wird nicht abschließend vereinbart und muss rechtzeitig vor dem Treffen geklärt werden.

Einbindung der Netzwerke

Es wird vorgeschlagen, die Themensammlung in die Netzwerktreffen einzuspeisen und darauf hinzuarbeiten, dass es Vorarbeiten dazu gibt. So kann sichergestellt werden, dass die PoBe keine Insel bleibt, sondern in die Lebensrealitäten eingebunden und schon vor der eigentlichen Veranstaltung wirksam wird.

Moderatoren, Trainer, Referenten (besser: Input-Geber)

Es wird überlegt, die in Frage kommenden Personen für die gesamte Konferenz einzuladen und mehrfach einzusetzen. Das würde die Prozessorientierung erheblich vereinfachen.

Nach den Erfahrungen im letzten Jahr muss die Moderator(inn)enauswahl konsequent daran ausgerichtet werden, dass wir Menschen brauchen, die nicht in traditionellen Bildern von Workshops und BPVen verhaftet sind, sondern wirklich Prozesse von Workshops moderieren und Teilnehmer/innen aktivieren können.


TOP 5: Abschlussrunde

 

Ja, die gab es. Eigentlich war es mehr eine Verabschiedung von Dirk Hetzel und ein Austausch über die Zukunftsängste, die bezüglich der Stellenbesetzung bzw. deren Auswirkungen auf dien laufenden Vorbereitungsprozess, in der Gruppe existieren.


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13.03.2012
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