Das Protokoll
Konzeptseminar: BPV 2004

25./26. 07. 2003,
Berlin, Deutsche AIDS-Hilfe

[Das Protokoll kann am Ende der Seite oder im Download-Bereich als pdf-Datei heruntergeladen werden.]

 

Anwesende: s. Teilnahmeliste
Leitung: Dirk Hetzel
Protokollant: Martin Westphal  


1. Vorstellung der in Frage kommenden Städte/ Räume für die BPV 2004


Gesucht nach Veranstaltungsmöglichkeiten wurde für die BPV 2004 in den Städten Dresden, Braunschweig, Göttingen, Kassel.

Die besten Voraussetzungen zur Durchführung der BPV wurden in Kassel vorgefunden. Als Veranstaltungsräume kämen in Frage: Stadthalle, Hotel La Strada, Kulturbahnhof und Räume in der Hochschule. Hotels zu erschwinglichen Preisen und in zumutbarer Entfernung vom Veranstaltungsort sind in Kassel ebenfalls vorhanden. Auch die ortsansässige AIDS-Hilfe ist an der Durchführung der BPV in Kassel interessiert. Dirk Hetzel und Martin Westphal werden bei einem zweiten Besuch in Kassel die Örtlichkeiten festlegen


2. Zeitplanung

 

Im September werden durch den Vorstand der DAH die Teilnehmenden an der Vorbereitungsgruppe benannt und eingeladen. In diesem Jahr werden bis zu zwei Treffen stattfinden, bis zur Veranstaltung mindestens 4 Treffen.

Das Programm für die BPV 2004 soll bis April 2004 feststehen.


Rückblick BVA/ BPV 2002 in Bielefeld

 

BVA:

Die Zusammenlegung von BPV und BVA wurde von den Anwesenden positiv bewertet.
Allerdings sei die Bundesversammlung der An- und Zugehörigen immer noch sehr "Mütter"-lastig, was ja letztlich auch den Zustandes des Netzwerkes der Angehörigen widerspiegelt. Hier soll versucht werden, bevorzugt "soziale" Familie bei den Anmeldungen zu berücksichtigen.

Der Versuch einiger Angeörige in nicht offene Workshops zu gelangen wurde als voyeuristischer Ansatz einiger Eltern gesehen.

Grundsätzlich wird der Austausch von Angehörigen und Betroffenen als gut bewertet. Der Pflegeworkshop war misslungen. Interessantes Thema ist Vorsorge (Patient(inn)enverfügung)  

BPV:

Wenig zielgruppenspezifische Angebote (integrativer Ansatz) mit Ausnahme von Workshops zu Sexualität wurde als gut bewertet. Mit 30 Prozent Frauen, einer großen Anzahl junger Positiver (mit eigenem Workshop) und vielen Menschen aus anderen Ländern (Vertretern aus dem Arikanischen Netzwerk, Gäste aus Osteuropa) war in Bielefeld ein deutlich breiteres Spektrum an HIV-infizierten Menschen vertreten als auf irgend einer BPV vorher. Die war auch sehr schnell augenfällig. Erstmalig gab es auch Workshops in den Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch. An Veranstaltungsarten gab es Informationsveranstaltungen, Erfahrungsaustausch, Schulungen und - hier sei Lauras Café besonders hervorgehoben - Begegnungen.

Kritisiert wurde, dass der Konsumeinstellung der Teilnehmenden nicht begegnet werden konnte. Das voneinander Lernen hat nicht im erwünschten Maß funktioniert. Die Teilnehmenden sind nur schwer dazu zu bewegen, über den eigenen Tellerrand zu gucken. Das Thema HIV/ AIDS wurde zu wenig im gesellschaftlichen Kontext bearbeitet.  

Positiv wurde bewertet die Trauerinstallation, die von Joachim durchgeführt wurde. Auch die Organisation, wurde als gut bewertet.  

Es muss versucht werden mehr Raum zu finden um Hintergründe der verschiedenen Ethnien zu thematisieren.  

Obwohl der integrative Ansatz innerhalb der BPV/ BVA als durchweg positiv bewertet wurde, war die Party im halboffenen Raum nicht von allen gewünscht. Außerdem kostete sie Eintrittsgeld, was einige Teilnehmenden der BPV als Zumutung empfanden. Wenn schon eine Party im halböffentlichen Raum durchgeführt wird, sollen die Teilnehmenden das Gefühl bekommen, dass sie erwünscht sind.  

Auf Frauenthemen soll zukünftig mehr Rücksicht innerhalb der Workshops genommen werden.  

Das Thema Migration war noch nicht ausreichend vertreten. Freie Raumangebote haben gefehlt.  

Workshops zum Drogengebrauch (hier auch Partydrogen) wurden von i.v.-Dorgengebraucher(inne)n meistens verlassen.  

Dem Vorwurf der "unpolitischen Veranstaltung" wurde entgegen gesetzt, dass die Teilnehme an der BPV/ BVA an sich schon politisch sei.  

Die sehr zurückhaltende Medienpräsenz wurde bemängelt. Der Ausschluss zu gewissen Workshops zu Sexualität wurde als schwierig bewertet. Es muss auch gemeinsame Workshops  zu Sexualität geben (die es auch gab!).  

Das Herumreiten von HIV-Positiven auf Privilegien muss ein Ende haben.  

Die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung wurde als zu lang empfunden.   Organisation und inhaltliche Ausgestaltung von BPV und BVA wurden als sehr professionell beurteilt im Gegensatz zu z.B. HIV im Dialog.  

Da es im Moment kaum soziale Bewegungen gibt, ist es etwas obsolet, dies gerade bei den HIV-Positiven zu erwarten.

Die Teilnehmenden genießen die BPV/ BVA als ungewohnten Freiraum.

Es fiel den Teilnehmenden oft schwer, sich aus der Fülle des angebotenen Programms für bestimmte Workshops zu entscheiden. Es war zu wenig Zeit, Themen zu vertiefen.

Das Thema Schuld und Verantwortung war eines der einschlagenden Themen.   Bei der kommenden BPV/ BVA soll berücksichtigt werden:

  • Große Themen segmentieren ( z.B. Integration von Migrant(inn)en)
  • Ausschreibung "interaktiv" gestalten

Es wurden folgende Oberpunkte für ein kommendes Programm erarbeitet:

  1. Konsum(enten)haltung (innen) versus Politik (außen)
  2. Alte Zöpfe abschneiden/ Verlust von Privilegien
  3. Bedeutungsverlust von HIV/ AIDS
  4. Verantwortung von Menschen mit HIV/ AIDS
  5. Integration "außen stehender" Gruppen

1. Konsum(enten)haltung (innen) versus Politik (außen)  

 

  • Teilnehmende dazu anregen, sich für Themen zu interessieren die über die eigene Befindlichkeit/ das eigene Interesse hinausgehen.  
  • Dazu muss die Präsentation von Themen neu angedacht werden.  
  • Die BPV/ BVA haben einen Bildungsauftrag.  
  • Teilnehmende sollen über Neuerungen informiert werden.  
  • Der "Außenfeind" als verbindendes Element von Menschen mit HIV und AIDS existiert so nicht mehr wie in den Anfängen.  
  • Eine reale Bedrohung der Lebensverhältnisse von Menschen mit HIV/ AIDS existiert (wieder).  
  • Die Teilnehmenden müssen dort abgeholt werden, wo sie stehen.   Die Themenauswahl soll auch vom Publikum erfolgen.  
  • Die 80er und 90er Jahre waren von einem Gefühl der "Selbstverteidigung" geprägt. Gegen Ende der 90er kam eher ein Einrichten in den bestehenden Verhältnissen auf.  
  • Es soll der Versuch gemacht werden, mit anderen Verbänden Chronischkranker Verbindung aufzusuchen. Allerdings ist der Abgrenzungsmodus bei AIDS-Hilfe nicht anders als bei anderen Behindertengruppen. 


2. Alte Zöpfe abschneiden/ Verlust von Privilegien von Menschen mit HIV/ AIDS

 

  • Heute entfällt (teilweise) für Menschen mit HIV und AIDS:     
    • Bewunderung des ertragenen tragischen Schicksals   
    • Sekundärer Krankheitsgewinn     
    • Andersbehandlung z.B. im Berufsleben (besondere Rücksichtnahme, etc.)
    • Relativ leichtes Zusprechen von Behindertenerleichterungen und sonstigen soz. Vergünstigungen (Behindertenausweis, bestimmte Pauschalen, etc.)  
  • Außenrückmeldungen führen zu einer Eigeneinschätzung (Du schaffst das nicht mehr.., Das kannst du nicht mehr.., etc.)  
  • Überlegung: Welche Privilegien haben Menschen mit HIV und AIDS?  
  • Inwiefern wirkt sich ein HIV-Ergebnis auf den Aufenthaltsstatus von Migrant(inn)en aus?  
  • Es muss auf die Trennung materielle und ideelle Privilegien geachtet werden. Die Diskussion um Privilegien kann zu einer Ersatzdiskussion zu zeitgemäßen Themen verkommen. 


3. Bedeutungsverlust von HIV/ AIDS  

 

  • Auswirkungen auf Themen und Öffentlichkeit  
  • Die Gefahr besteht, mit "geschönten" Äußerungen leichter oder überhaupt in die Presse zu kommen (z.B. Dramatisierung, Gefährdung von Junghomos, etc.). 2000 Neuinfektionen/ Jahr in Deutschland sind kein Thema (woher kommen die?)
  •   Schwule Szenemagazine haben zum größten Teil eine katastrophale Berichterstattung zum Thema.  
  • In der individuellen Lebenssituation ist die alltägliche Diskriminierung wie vor 20 Jahren, Dabei ist es unerheblich ob die Diskriminierung real vorhanden ist oder befürchtet wird.  
  • Zur Zeit befinden wir uns in einem gesellschaftlichen roll-back.  
  • Wie denken wir HIV? Ein Coming-out wegen anderer Krankheiten erscheint weniger wichtig, z.B. Fußpilz.  
  • Positives Coming-out definiert sich als "mit sich im Reinen sein". 
  • Wer ist für uns der "Normale Positive"?  
  • Der Ansatzpunkt für ein Erreichen von Engagement ist die erlebte und befürchtete Diskriminierung  
  • Stärke muss/ soll kommuniziert werden.

4. Verantwortung von Menschen mit HIV/ AIDS  

 

  • Welche Verantwortung übernehmen wir für uns selber? 
  • Gibt es wirklich weniger Druck von Außen?  
  • Welche Möglichkeiten von Infektion können festgestellt werden:Verantwortung setzt Information voraus  
    • fahrlässige Infektion     
    • Hardcore Bareback     
    • Infektion unter Risikofaktoren (Alkohol, andere Drogen)   Verantwortung hat immer etwas mit Bewältigung zu tun. 
  • Verantwortung braucht Freiheit  
  • Wie gehen Positive mit der Ansteckung anderer um?  
  • Das Grundprinzip bei Verkehrsunfällen ist immer gleich, egal ob es sich um HIV-Infektion oder um ein Übergewichtsproblem handelt.  
  • Jeder ist für sich selbst verantwortlich  
  • Jeder hat eine Mitverantwortung nach außen  
  • Jeder hat eine Mitverantwortung für das Kollektiv/ Gemeinschaft  
  • Frage: Möchtest Du so sein wie derjenige, der dich infiziert hat? 


5. Integration "außen stehender" Gruppen  

 

  • Ziel soll sein: Gegenseitiger Respekt  
  • Konzept der Akzeptanz der Lebensstile  
  • Teilweise wird versucht dies zu erreichen durch Gebärdendolmetscher, Fremdsprachendolmetscher  
  • Es gibt aber Schwierigkeiten bei der Sprachfindung (Wortwahl). Hier muss nach allgemein akzeptierten Begrifflichkeiten gesucht werden und die Referenten entsprechend gebrieft werden. Wir müssen uns einen sensiblen Sprachgebrauch angewöhnen.  
  • Bei integrativem Veranstaltungskonzept: Durchschnittsthemen versus. Freiräume  
  • Es kann keine generelle Gleichmachung geben. Wir benntigen einen sensiblen, rücksichtsvollen Umgang miteinander  
  • Menschen sollen über ihren Tellerrand hinaus sehen  
  • Workshops BPV/ BVA werden jeweils vorbereitet aber nicht gesondert gekennzeichnet. Die Vorbereitung erfolgt getrennt in den jeweiligen Vorbereitungsteams.  
  • Der Charakter der Gesamtveranstaltung ändert sich durch eine starke Zusammenlegung von BPV/ BVA.  
  • Dabei soll aber das Gefühl des geschützten Raums erhalten bleiben. Dies führt bei einem gewünschten Mehr an Öffentlichkeit zu einem Widerspruch.  
  • Die Vorbereitungsteams von BPV und BVA müssen Schnittpunkte für ihre Themen finden. 


Aufbau BPV/ BVA 2004  

 

Querschnittsthemen sollen bevorzugt ins Programm genommen werden.  

Es wird keine verkauften Symposien geben.  

Es soll versucht werden, ohne Pharmastände auf dem Markt der Möglichkeiten auszukommen.  

Tagesablauf Freitag/ Samstag:

  • Morgenplenum
  • Open Space
  • 6 Workshops und 2-3 Workshops aus dem open-space
  • Abendplenum  

Verschiedenen Oberthemen sollen sich durch 2 Tage ziehen  

Die Abendplena sollen neu gestaltet und neu strukturiert werden.

Veranstaltungsformen:

  • Schulung
  • Selbsterfahrung (ohne Input),
  • Erfahrungsaustausch Workshops (mit Impulsgeber)
  • Info-Veranstaltung
  • Plena  

Die Anzahl der Parallelveranstaltung wird sich nur unwesentlich verändern


Ideen für Motti für die BPV 2004     

 

  • Brücken bauen - grenzenlos     
  • Cross over   
  • HIV de Luxe     
  • Schluss mit Lustig     
  • Raus aus den Löchern     
  • HIV HIV Hurra     
  • Die fetten Jahre sind vorbei

Dateien:
Protokoll der 2. Sitzung Beliebt

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09.03.2012
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