17. April 2009

„Was wir wahrnehmen ist nicht die Natur selbst, sondern die Natur nach Maßgabe unserer Untersuchungsmethoden.“
Werner Heisenberg (1901 – 1976)


Liebe Communities und Interessierte!

Nachdem am 16. März 2009 das Scientific Board des 1. SÖDAK in Frankfurt aus den etwa 370 eingereichten Abstracts das Kongressprogramm erarbeitet hat, stellt sich aus der Sicht des Community-Boards die Situation wie folgt dar:

Wie zu erwarten, gestaltete sich die Zusammenstellung des Programmes schwierig.

Aufgrund der Vielzahl der eingereichten Arbeiten, der Begrenzung der Zahl der Parallelveranstaltungen auf zwei und der Möglichkeit nur drei bis maximal vier Arbeiten (plus einen Überblicksvortrag und die Kurzvorstellung von drei Arbeiten, die aufgrund der begrenzten Möglichkeiten für Vorträge nicht als Vorträge angenommen werden konnten) vortragen zu lassen, war der Auswahlprozess nicht schmerzfrei.

Dies umso mehr, als im Zuge der Zusammenstellung eines sogenannten „abstract-driven“ Programms standardmäßig Arbeiten mit einer besseren Bewertung Arbeiten mit einer schlechteren Bewertung vorgezogen werden, selbst, wenn sich mit den etwas schlechter bewerteten Arbeiten (aus der Sicht des Community-Boards) unter Umständen eine sinnvollere inhaltliche Zusammensetzung der Sitzung ergeben hätte.

Nach der Durchsicht des –bislang noch nicht endgültig fertiggestellten – Programms, bewertet das Community-Boards das Programm folgendermaßen:

  • Die Qualität und Quantität der eingereichten Abstracts ist besser, als bei den vorherigen Kongressen.
  • Der Versuch, ein interdisziplinäres Programm zusammenzustellen ist erneut misslungen – im Vergleich zu den bisherigen Kongressen sind jedoch multidisziplinäre Ansätze verhältnismäßig gut erkennbar. (Zur Abgrenzung der Begriffe siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Interdisziplinarität und http://de.wikipedia.org/wiki/Multidisziplinarität.)
  • Wie zu befürchten war, haben auf dem Kongress die Grundlagenwissenschaften und die Klinische Forschung das absolute Übergewicht – das Programm ist insofern weder ausgewogen noch interdisziplinär. Dazu wären andere Verteilungsschlüssel als die Bewertung der Arbeit durch die Peer-Reviewer notwendig gewesen.
  • Durch die im Vergleich zu vorherigen Kongressen zahlenmäßige Begrenzung der Parallelveranstaltungen auf nur zwei steht eine ausreichende – nach den Erfahrungen in Frankfurt deutlich angemahnte – Zeit für die ausführliche Diskussion sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse nun doch nicht zur Verfügung.
  • Aufgrund der konzeptionellen Vorgabe, das Programm aus den eingereichten Abstracts zusammenzustellen (zusätzlich zu der Möglichkeit, für jede der acht Sitzungen einen Überblicksvortrag einzuladen, der sich aber natürlich thematisch der den Inhalten der jeweiligen Sitzung orientiert), stellt das Kongressprogramm zwar einen Überblick über die Forschungslandschaft in den drei beteiligten Ländern dar, ist aber keinesfalls in der Lage, das Leben mit HIV abzubilden.
  • Anders als in der Vergangenheit gibt es kein Pflegesymposium und Pflege taucht auch – weil keine entsprechenden Arbeiten eingereicht worden sind – im Programm nicht auf.
  • Für Menschen mit HIV und AIDS relevante Themen jenseits der Grundlagenwissenschaften und Klinischen Forschung sind nicht zu finden.Traditionell vernachlässigte Fachgebiete, die nicht nur für Menschen mit HIV und AIDS von besonderer Bedeutung sind – wie etwa Zahnheilkunde, Psychiatrie, Psychotherapie, Neurologie etc. –, finden im Kongress überhaupt nicht oder völlig unzureichend statt.
    • So ist es dem Community-Board nicht gelungen, beispielsweise Themen wie Schuld/Schuldzuweisung, Verlagerung der Verantwortung für die Prävention auf Menschen mit HIV und AIDS oder Stigmatisierung/Selbststigmatisierung oder Depressionen etc. im Kongress zu verankern.
  • Anders als bei den bisherigen Konferenzen ist es aufgrund des erheblich engeren finanziellen Rahmens in St. Gallen nicht möglich, diese strukturellen Defizite des Programms durch zusätzliche thematische Sitzungen / Workshops und eingeladene Vorträge auszugleichen.

Es ist bei allem Engagement und intensiver Arbeit im Rahmen der Neuausrichtung des Kongresses nicht gelungen, diesen zentralen Anliegen der Community hinreichende Berücksichtigung zu verschaffen und das Community-Board zieht mit seinem Rücktritt die Konsequenzen.

Die ehemaligen Mitglieder des Community-Boards 2009 werden sich bei den veranstaltenden Organisationen in den drei beteiligten Ländern für die Entwicklung eines Kongress-Konzeptes einsetzen, damit für die zukünftigen Kongresse ein Konzept entwickelt wird, das in der Lage ist, den (auch finanziellen) Rahmenbedingungen und Bedürfnissen / Erwartungen aller Beteiligten Rechnung zu tragen.

Wir wünschen allen Kongressteilnehmer(innen) einen fruchtbaren Kongress!

Mit herzlichen Grüßen
das ehemalige Community-Board
Michèle Meyer (CH)            Wiltrut Stefanek (A)            Bernd Vielhaber (D)

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen