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Protokoll Sitzung SÖDAK CB und DAH

 

Wer:

Silke Klumb (Referentin für Migration der DAH), Dr. Stefan Timmermanns (Referent für Leben mit HIV der DAH), Dr. Dirk Sander (Referent für Schwule der DAH), Armin Schafberger (Referent für Medizin und Gesundheitspolitik der DAH), Bernd Vielhaber (CB- Vertreter Deutschland)

Wo:

Deutsche AIDS-Hilfe, Berlin

Wann:

16. Dezember 2008, 14.00 – 16.00 Uhr

Was:

1. Erarbeitung von Themenvorschlägen

2. Entwicklung einer Struktur für die Themenbereiche Sozialwissenschaften, Prävention und Leben mit HIV auf dem SÖDAK

 

Auch in dieser personellen Konstellation ist es notwendig, sich zuerst mit der eigenen Demotivation bezüglich des SÖDAK zu beschäftigen. Die Intransparenz der Kommunikation und der Stand der Vorbereitungen – soweit er überhaupt sichtbar ist – sorgen in der ganzen Republik für Unmut und heizen die Gerüchteküche an. So wird die Vermutung geäußert, Pietro Vernazza würde die ganze inhaltiche Vorbereitung (Scientific Board etc.) nur als Scheingefecht führen und das Programm bereits fertig in der Schublade haben. Auch das CB war bislang nicht in der Lage, die Wahrnehmung zu verändern, weil sich bislang an dem Kommunikationsverhalten nichts geändert hat.

Sowohl die AIDS-Hilfen in D/A/CH als auch das CB wollen versuchen, mit diesem Konzept und den Themenvorschlägen einen weiteren und letzten Versuch zu unternehmen, den Kongress inhaltlich auf eine Schiene zu bringen, die ihn auch für ihre Arbeitsbereiche nutzbringend werden lässt. Gelingt das nicht, werden sich die AHs und das CB aus dem Kongress zurückziehen.


TOP 1: Entwicklung einer Struktur für die Themenbereiche Sozialwissenschaften, Prävention und Leben mit HIV auf dem SÖDAK

 

Für diese Bereiche müssen teilweise von der naturwissenschaftlichen Kongressstruktur abweichende Rahmenbedingungen gesetzt werden.

Sozialwissenschaften, Prävention und Leben mit HIV, welche im Rahmen von Forschung qualitative und/oder quantitative Daten generieren, lassen sich ohne weiteres in die Struktur Abstract einreichen, Peer-Review und Präsentation eingliedern, wenngleich hier – je nach konkreter Arbeit – unter Umständen mehr als die angedachten 15 Minuten gewährt werden müssen.

Grund dafür ist unter anderem, dass gerade in der Sozialwissenschaft die Forschungsmethode wesentlich intensiver vorgestellt und diskutiert werden muss, da die Wahl der Methode nicht nur das Ergebnis wesentlich beeinflusst, sondern gleichzeitig die Wahl der Methode auch immanent eine Festlegung auf eine Theorieschule und ein Menschenbild darstellt. Das muss aber transparent gemacht werden um die Ergebnisse überhaupt versteh-, bewert- und diskutierbar zu machen.

Gerade die von uns angestrebte Weiterentwicklung der Angebote und kritischen Bewertung der bisherigen Angebote und Strukturen sind aber eher Diskussionsthemen, bei denen unterschiedliche valide Perspektiven nebeneinander gestellt werden müssen. Was sich regelmäßig der Struktur Einreichung – Peer-Review – Präsentation entzieht.

Aus der Analyse der in Frankfurt mit diesen drei Themenbereichen gemachten Erfahrungen entwickeln wir die folgenden Rahmenbedingungen:

  • Diese Sitzungen und die Vorträge/Beiträge müssen durchgängig auf Deutsch gehalten werden.
    Im naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereich des Kongresses mag Englisch – als die Wissenschaftssprache – akzeptabel sein, schon allein deshalb, weil die wissenschaftlichen Fachpublikationen (fast) alle in Englisch gehalten sind und auch die Konferenzsprache der HIV-relevanten Konferenzen i.d.R. Englisch ist. Mit anderen Worten: Selbst wenn Arzt/Ärztin der englischen Sprache nicht in dem Ausmaß mächtig ist, dass eine aktive Beteiligung an Diskussionen ermöglicht, sollte aber das Verständnis ausreichen, um den Vorträgen folgen zu können. Das ist nun in den Bereichen Sozialwissenschaft, Prävention und Leben mit HIV – vor allem wegen der unterschiedlichen Zielgruppe solcher Veranstaltungen – nicht der Fall. Vor allem die ja sehr viel stärker auf Diskurs anlegte Herangehensweise macht eine Sprache notwendig, in der sich die Teilnehmenden sicher ausdrücken können.
  • Die Dauer der Vorträge muss 15 Minuten überschreiten können.
    Das wird im Einzelfall bzw. im Zuge der konkreten Planung einzelner Veranstaltungen zu entscheiden sein.
  • Keine sechs bis acht Vorträge pro 90minütiger Veranstaltung.
    Das ergibt sich logisch aus dem vorherigen Punkt.
  • Keine sechs bis acht Themen pro 90minütiger Veranstaltung.
    Eine der zentralen Kritikpunkte in Frankfurt war – neben der viel zu knappen Zeit für die einzelnen Vorträge – die Fülle der Themen/Breite des Themenspektrum, was in einer Sitzung abgehandelt worden ist. Es wurde gefordert, die Sitzungen wesentlich stärker auf ein bestenfalls zwei Themen zu fokussieren, um auch die Möglichkeit zu haben, Themen tiefergehend zu behandeln.
  • Perspektiven nebeneinander stellen.
    Insbesondere, wenn es um die Entwicklung von Zukunftsperspektiven geht – was ja ein zentraler Aspekt des Kongressmottos ist – muss die Möglichkeit gegeben werden, Perspektiven nebeneinander stellen und in ihren Folgen und Nebenfolgen abschätzen und diskutieren zu können. In Frankfurt bestand – wohl vor allem aus den strukturellen Gründen – die starke Tendenz zu Verkündigungsrhetorik, die aber naturgemäß wenig zielführend ist.
  • Veranstaltungen dieser Themenbereiche im zeitlichen Rahmen des Hauptprogramms.
    Es ist nicht akzeptabel, dass Veranstaltungen zu diesen Themenbereichen zu Uhrzeiten stattfinden, die am Rand des Kongresstages liegen (etwa als Frühstückssymposien vor oder Abendveranstaltungen nach Ende des naturwissenschaftlichen Programms des Kongresses). Das hat in Frankfurt zu der berechtigten Frage geführt, wie ernst es denn der Kongress mit diesen Themenbereichen wirklich meint. Aufgrund der Hotelsituation in St. Gallen würde das – dessen ungeachtet – ohnehin das „Aus“ dieser Themen sein.
  • Es muss in diesen Themenbereichen mehr eingeladen werden können, als in den naturwissenschaftlichen/medizinischen Programmbereichen.
    Wie weiter oben schon dargestellt, hat die Struktur Abstract einreichen – Peer-Review – Präsentation in weiten Teilen dieser Themenbereiche ihre Tücken. Das wird mit den im Weiteren folgenden Themenvorschlägen sehr deutlich werden. Kann man hier nicht einladen, kann man diese Themen schlicht nicht abhandeln.

Nimmt man diese Rahmenbedingungen und die bisherige Programmstruktur zusammen, ergeben sich folgende Probleme:

  • Für 12 oder 13 Oberthemen (von Pietro Vernazza im November 2007 in St. Gallen vorgestellt und Anfang 2008 als erste inhaltliche Information zum Kongress per Mail verteilt) stehen 8 Slots/Tag zur Verfügung.
  • Die Planung der Pflege/des Pflegesymposiums entzieht sich im Moment unserer Kenntnis. Das CB hat zwar die Pflegeorganisationen im HIV-Bereich in Deutschland und Österreich mit Frau Spirig in Verbindung gebracht, um die Konzipierung dieses Themenbereiches zu initiieren, es ist aber nicht bekannt, ob und was dieser Bereich erarbeitet.
  • Summa summarum: Wir benötigen einen dritten Slot, um die hier debattierten Themenbereiche überhaupt sinnvoll in den Kongress einbringen zu können!

TOP 2: Erarbeitung von Themenvorschlägen

 

a) Sexualpädagogik für HIV-Behandler

Eine zentrale Frage im Zuge der Themenerarbeitung war folgende:

Angesicht der mit der EKAF-Stellungnahme einhergehenden Medizinalisierung der HIV-Prävention und der starken Notwendigkeit, STD-(Sekundär-)Prävention mit der HIV-Prävention zu verschneiden, stellt sich uns folgende Frage:

Welche sozialwissenschaftlichen/psychologischen/sexualpädagogischen/kommunikativen Kompetenzen werden von behandelnden Ärztinnen und Ärzten benötigt, um im Rahmen ihrer ärztlichen Tätigkeiten die Aufgaben angemessen umsetzen zu können?

Dr. Stefan Timmermanns bietet – als gelernter Sexualpädagoge – an, eine solche Veranstaltung durchzuführen.


b) Ländervergleich der (MSM-)Epidemien in der D/A/CH-Region

Wie unterschieden sich die Epidemien in dieser Region? Was sind die Unterschiede? Was die Gemeinsamkeiten? Wie sieht das Problem der Late-Presenter in den einzelnen Ländern der Region aus? Was sind die Gründe für Unterschiede?

Ziel einer solchen Zusammenschau wäre, aus den Unterschieden und Gemeinsamkeiten etwas über sich selbst zu erfahren um damit eine reflektiertere Ausgangslage für eine Strategieentwicklung zu gewinnen.


c) Geschichte der Prävention in der D/A/CH-Region

Wie haben sich in der D/A/CH-Region über den Zeitraum von 25 Jahren die Präventionsbemühungen und Botschaften entwickelt? Wie sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Welche Konsequenzen hat über diesen Zeitraum die HIV-Prävention gehabt? Welche Folgen und Nebenfolgen der HIV-Prävention werden als negativ bewertet und gelte es bei der Weiterentwicklung zu vermeiden?

Wie unterschiedlich (und mit welchen Begründungen) werden Hot-Topics wie Spermaschlucken, Superinfektionen, Sex bei VL unter der Nachweisgrenze … bewertet und kommunikativ transportiert? Was ergeben sich daraus an erwünschten und unerwünschten Folgen und Nebenfolgen?

Zeitlich nach dieser Veranstaltung wäre der Vorschlag der AH-Schweiz „Prävention wohin“ (von Michèle per Mail verschickt) anzusiedeln. Wir sind der Überzeugung, dass die Entwicklung von Zukunftsplanungen immer auch aus der kritischen Reflexion der Vergangenheit erfolgen muss.


d) HIV/AIDS als „Holocaust“ für MSM

Wohl wissend, dass die Verwendung des Begriff Holocaust zumindest in Deutschland hochproblematisch ist, haben wir uns dennoch entschieden, ihn an dieser Stelle zu verwenden.

Uns interessieren die individuellen und kollektiven Auswirkungen der HIV-Epidemie und des Massensterbens der 1980er und 1990er Jahre auf MSM in der D/A/CH-Region.

Haben wir Dynamiken übersehen, die im Rahmen der (strukturellen) Prävention adressiert werden müssen?


e) Eine Ausstellung fürs Begleitprogramm

Spannend würden wir finden, wenn die AIDS-Hilfen und die Pharmafirmen der D/A/CH-Region eine Ausstellung ihrer Plakate bzw. Image- bzw. Awarness-Kampagnen machen würden. Hier kommt es uns vor allem auf die Entwicklung und die Unterschiede der Bild- und Textbotschaften an, die von den einzelnen Playern gesendet worden sind und werden.


Dateien:
Pressemitteilung des CB: HIV bekommt man nicht HIV holt man sich! Beliebt

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15.03.2012
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